Frühzeitig, spätestens bei den Schulabgangsklassen, sollten die Schulen über verschiedenste Aktivitäten (Praktika, Hospitation von Schülern und Lehrern, Betriebsbesuche, etc.) über die Attraktivität einer Ausbildung bzw. Tätigkeit bei Mittelständlern Einblicke vermitteln.
Die Freiheit von Forschung und Lehre ist dahingehend zu interpretieren,
dass die Führungskräfte in den Hochschulen ihrer Verantwortung entsprechend, die Studenten für den Einsatz in der realen Arbeitswelt vorbereiten und sie mit entsprechendem Praxiswissen ausstatten.
Eine hilfreiche Wettbewerbssituation ist nicht nur zwischen den staatlichen Bildungseinrichtungen zu schaffen. Sondern insbesondere sind unternehmerische bzw. privatwirtschaftliche Bildungsinitiativen, sprich privatwirtschaftliche Hochschulen, zu fördern.
Ein Bildungsbudget für jeden Bundesbürger wäre wünschenswert, welches
er entsprechend der Qualitäten und Marktkonformitäten von Bildungsangeboten einsetzen kann. Bildungsqualitäten würden sich entsprechend der Nachfrage ausrichten und nicht entsprechend „was haben wir gerade im Angebot“.
Das Hochschulsystem muss an die Erfordernisse der Arbeitsmärkte angepasst werden. Notwendig wäre eine stärkere Eigenverantwortung der Hochschulen, durch die ein Wettbewerb um die besten Studienangebote möglich würde. Parallel dazu müsste die Eigenverantwortung der Studierenden einen höheren Stellenwert erhalten. Nicht zuletzt durch die Beteiligung an den Kosten über individuelle Studiengebühren.
Wirtschaftsunterricht muss die Grundlagen jeglichen Handelns von jungen Menschen sein. Dies beinhaltet, wie wirtschafte ich privat (Haushaltsführung, Umgang mit Geld, Nahrung, Energie, etc.) und insbesondere im Berufs- und Wirtschaftsleben. Die IHK´s und HWK´s stehen für Kooperationen bereit. Nur wer sich in der Wirtschaft auskennt kann eien sachkundige Berufs- bzw. Ausbildungsentscheidung treffen.
Die Kultusminister müssen endlich mehr dafür tun, dass in allen Schularten Wirtschaftsunterricht verankert wird. Die Industrie- und Handelskammern/ Handwerkskammern engagieren sich gern, um die Kooperation mit Schulen vor Ort Projekttage, Betriebsbesichtigungen, Gespräche mit Unternehmen oder Praktika für Schüler und Lehrer anzubieten. Nur wer weiß, wie Wirtschaft funktioniert, kann Entscheidungen für die spätere berufliche Ausbildung und seinen weiteren Lebensweg sachkundig treffen.
Den an Berufsbildung interessierten Menschen sollte mit entsprechender Unterstützung (Steuervergünstigungen und/ oder Zuschüsse) die Möglichkeit gegeben werden überbetriebliche Aus- und Fortbildungen zu besuchen. Von einer pauschalen Unterstützung von Berufsbildungszentren sollte in diesem Zusammenhang Abstand genommen werden, da diese Form der Mittelzuweisung der Entwicklung von Bildungsqualitäten durch Wettbewerb am Angebotsmarkt zuwider läuft. Bei einem Modell der Unterstützung von Menschen würden auch Lehrwerkstätten von dezentral gelegenen Betrieben Angebote unterbreiten und durchführen können. Das Angebot würde sich entsprechend des Bedarfs entwickeln und nicht umgekehrt Bildung zu ermöglichen.
Angesichts der immer noch hohen Nachfrage nach Lehrstellen und der Kostenbelastung der Ausbildungsbetriebe muss die Förderung der überbetrieblichen Unterweisung durch Bund und Länder bedarfsgerecht weitergeführt werden. Dazu gehört auch die notwendige Modernisierung der Berufsbildungszentren, um für kleine und mittlere Unternehmen das Angebot an beruflicher Weiterbildung ausbauen zu können, sowie ihre Weiterentwicklung zu Kompetenzzentren.
Die Ausbildungsplatzabgabe muss dauerhaft vom Tisch, da sie vor allem kleinere mittelständische Betriebe treffen würde. Besonders für mittelständische Betriebe lohnt sich Ausbildung meist erst dann, wenn der Auszubildende nach der Ausbildung erfolgreich im Betrieb eingesetzt werden kann. Diese Perspektive fehlt vielen Unternehmen in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation jedoch. Zudem würden auch die Betriebe bestraft, die gern mehr ausbilden würden, wenn sie geeignete Bewerber fänden.
Daher unterstützen wir den „Nationalen Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland”, der die unsinnige Ausbildungsplatzabgabe verhindert.
Mit der Zulassung von privatwirtschaftlichen Komplettangeboten im Bereich der Berufsschulen würde sich in kürzester Zeit eine bedarfsgerechte berufsschulische Dienstleistung als Partner in der dualen Berufsausbildung etablieren. Übergangsweise ist der temporäre Zugang von Berufspraktikern in die Lehrer und zurück in den Betrieb ohne bürokratische Hürden zu ermöglichen. Eine Ausweitung der staatlichen Dienstleistung mit Ziel Angebot am freien Bildungsmarkt gilt es zu unterbinden.
Dem absehbaren Lehrermangel an den Berufsschulen muss rechtzeitig gegengesteuert werden. Ebenso muss die Modernisierung der Berufsschulen intensiviert werden. Allerdings sollten sich die Berufsschulen stärker auf ihren Bildungsauftrag in der Ausbildung konzentrieren statt einen Ausbau zu Kompetenzzentren anzustreben.
Auf europäischer Ebene muss der beruflichen Qualifizierung in kleinen und mittleren Unternehmen ein größerer Stellenwert nicht nur bei den EU-Förderprogrammen eingeräumt werden. Deshalb ist auch in einer erweiterten Europäischen Union im Zusammenhang mit der Anerkennung beruflichen Qualifikationen eine Absenkung der Anerkennungsanforderung oder eine weitere Liberalisierung kontraproduktiv. Sie würde dem europaweit anerkannten Prinzip des lebenslangen Lernens und dem hohen Qualifizierungsniveau nicht nur in Deutschland zuwiderlaufen. Um die politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Integration der Beitrittsländer aus Mittel- und Osteuropa voran zu bringen, muss insbesondere die Jugend gewonnen werden. Die Bundesregierung sollte die Erfahrungen mit dem Deutsch-Französischen sowie dem Deutsch-Polnischen-Jugendwerk für den Aufbau eines Jugend-Werkes für Mittel- und Osteuropa nutzen, um insbesondere eine intensive Kooperation auch in der beruflichen
Familienpolitik
Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf tragen wesentlich zur Zukunftssicherung Deutschlands bei. Daher müssen folgende Leitlinien das wirtschaftspolitische Handeln bestimmen.
Die Betreuungsquote der unter dreijährigen, aber auch der über sechsjährigen Kinder muss vor allem in Westdeutschland erhöht und die Qualität insgesamt verbessert werden. Die Öffnungszeiten der Betreuungseinrichtungen sollten sich stärker an den Arbeitszeiten der Eltern orientieren. Investitionen in den Ausbau und Sicherung einer angemessenen Infrastruktur von guten Krippen, Kindergärten und Ganztagsschulen ist eine zentrale kommunale Aufgabe. Die Betreuungseinrichtungen müssen verstärkt Wert auf frühkindliche Förderung legen, denn Bildung ist die beste Prävention vor Arbeitslosigkeit.
Die Kinderbetreuung muss sich dem veränderten Erwerbsverhalten
von Eltern anpassen. Ist eine nachfrageorientierte Kinderbetreuung aufgebaut, sollte die Elternzeit auf ein Jahr verkürzt werden. Um die Attraktivität dieser kürzeren Elternzeit zu erhöhen, sollte zugleich über das Steuer- und Transfersystem ein finanzieller Ausgleich als Prozentsatz des letzten Nettoeinkommens gezahlt werden. Dieses Elterngeld muss durch Umschichtung innerhalb der familienpolitischen Ausgaben finanziert werden.
Im Steuersystem muss Kinderfreundlichkeit berücksichtigt werden. Erwerbsbedingte Betreuungskosten für Kinder sollten in vollem Maße steuerlich als Werbungskosten absetzbar sein. Dies ist eine Investition in die Steuerzahler von morgen und dadurch Ausdruck einer nachhaltigen Finanzpolitik.
Auf regionaler Ebene sollten sich verschiedene Kooperationspartner wie
z.B. Städte, Kirchen, Kommunen, Jugendämter, Unternehmen, Verbände und Kammern zu lokalen Netzwerken zusammenschließen, um gemeinsam für
eine familienorientierte Region zu arbeiten.
Sozialpolitik
Der demographische Wandel und die hohe Arbeitslosigkeit überfordern die Sozialversicherungen. Ein zukunftsfähiges Sozialversicherungskonzept kann
durch folgende Maßnahmen erreicht werden:
- Senken des Rentenniveaus
- Senken der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung
- Abkoppelung der Krankenversicherungsbeiträge von Löhnen und Gehältern
- Eine ergänzende kapitaldeckende Risikovorsorge zur Pflegeversicherung einführen
- Reduzierung des Leistungskatalogs der gesetzlichen Unfallversicherung
- Berufsgenossenschaftsbeiträge senken
Umwelt- und Energiepolitik
Umwelt- und energieschonendes wirtschaften ist für den Mittelstand, Klein- und Handwerksbetriebe ein integraler Bestandteil ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit.
Die Verwirklichung eines verbesserten Umweltschutzes, insbesondere durch eine effiziente Energienutzung und den Einsatz umweltschonender Energiespartechnologien, bietet Chancen für die o.a. Betriebe. Die Politik sollte in der Förderung und dem Einsatz entsprechender Technologien eine führende Rolle einnehmen. Gleichzeitig ist aber auch darauf zu achten, dass Umweltpolitik nicht Wirtschaftspolitik dominieren darf und Vorgaben der EU in Deutschland so ungesetzt werden, dass ein Wettbewerbsnachteil zu anderen EU-Mitgliedern entsteht.
Stadtentwicklung
Stadtzentren stellen einen wichtigen infrastrukturellen Faktor für viele mittelständische Unternehmen dar. Der Erhalt oder die Schaffung von leistungsfähigen, sichereren und sauberen Städten kann mithilfe der Durchführung folgender Punkte erreicht werden:
- Keine Verkehrsbeschränkungen zur Luftreinhaltung
- Keine City-Maut
- Konsequente, verlässliche und flexible Anwendung des Bau- und Planungsrechts
- Kommunen den notwendigen Gestaltungsfreiraum und Finanzkraft geben
100 Vorschläge für mehr Wachstum
Bitte beachten Sie auch das DIHK-Dokument „100 Vorschläge für mehr Wachstum in Deutschland”. Hierin werden für den Mittelstand ebenfalls eine Reihe wichtiger Punkte aufgegriffen und formuliert. Besonders hinzuweisen ist auf die Vorschläge 1 bis 5, die sich mit der Verbesserung des Gründungsklimas in Deutschland befassen. Auch unsere Themen „Steuern & Abgaben” (Vorschläge 23-28) und „Bürokratie” (Vorschläge 35-40) werden in dem zum Download verfügbaren DIHK-Papier inhaltlich ergänzt.
PDF Download:
Wahlprüfsteine Landtagswahlen 2008
Hessischer Mittelstandsbericht 2007
„100 Vorschläge für mehr Wachstum in Deutschland”
Anpacken und lösen! – Arbeitsmarktbremsen
Mittelständische Wirtschaft fordert Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt
Perspektiven für den Mittelstand verbessern